Das zionistische Projekt

Übersicht über den Zionismus

Die Zion. Weltorganisation

Antizionistische Juden

Das Leben der Juden in den "Schtetl" Osteuropas

"Das zionistische Projekt" ,von Prof.Werner Ruf

Prof. Dr. Werner Ruf ist - inzwischen emeritierter - Hochschullehrer für Internationale Beziehungen mit Schwerpunkt Nordafrika/Naher Osten an der Universität Kassel, Mitglied der AG Friedensforschung und Mitorganisator der jährlichen "Friedenspolitischen Ratschläge" in Kassel.

Der Zionismus muss verstanden werden als Reaktion auf die nationalistischen Projekte des 19. Jahrhunderts. Die Juden Mitteleuropas waren seit dem Mittelalter beginnend mit den Kreuzzügen! - periodisch immer wieder schlimmsten Verfolgungen ausgesetzt, und kein geringerer als Martin Luther malte in seinen anti-jüdischen Tiraden ein Szenario aus , das schließlich unter der Nazi-Barbarei grauenvolle Wirklichkeit wurde. Der politische Zionismus, eine jüdische Nationalbewegung, entstand aber erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Reaktion auf die nationalistischen Projekte in Europa und die Herausbildung mehr oder wenig ethnisch definierter Staaten. Doch die Juden lebten zerstreut, in Osteuropa meist in Gettos, in einer europäischen Diaspora und, zentral für das Projekt einer Staatsbildung: Trotz vieler Konzessionen betreffend ihrer rechtlichen Gleichstellung: Grundbesitz war ihnen in den meisten Ländern verwehrt geblieben. Staatsgründung aber setzt Territorialität voraus. So war die Frage der Staatbildung von Anfang an mit dem Problem der Schaffung oder des Erwerbs eines Territoriums verbunden. Zugleich ist der Zionismus in seinen Anfängen als nationales Projekt nicht religiös sondern 7säkular. Theodor Herzl, Autor der programmatischen Schrift "Der Judenstaat", erteilte jeder religiösen Definition oder Rechtfertigung jüdischer Staatlichkeit eine klare Absage. So waren anfänglich für die Schaffung eine jüdischen Staates unterschiedliche Gebiete im Gespräch wie Argentinien, Uganda, Madagaskar und - natürlich - auch Palästina.

Die erste Einwanderungswelle (Aliyah) ashkenasischer (europäischer) zionistischer Juden begann 1882, eine zweite 1904. Beide waren quantitativ geringfügig, mit der lokalen sephardischen (orientalischen) Juden gab es kaum Gemeinsamkeiten. Im Gegensatz zu diesen waren sie überzeugte Sozialisten und versuchten, neue egalitäre Lebensformen aufzubauen, die in den Kibbuzim verwirklicht werden sollten. Unterstützt wurden sie vom Jüdischen Weltkongress, ihr Ziel waren der Kauf und die Inbesitznahme von Land mit dem erklärten langfristigen Ziel der Staatsgründung auf "judaisiertem" Boden und mit Hilfe "jüdischer Arbeit". Vom jüdischen Landkauf profitierten auch einige palästinensischen Honoratiorenfamilien, da sich bereits durch die Tanzimat-Reformen im Osmanischen Reich des 19. Jh. Die Privatisierung des Bodens durchgesetzt hatte. Zugleich ging es den Immigranten um die Schaffung einer selbständigen jüdischen Ökonomie. Dabei ging es der (sozialistischen) zionistischen Bewegung auch darum das Klischee vom Juden zu widerlegen, der unfähig sei, Handarbeit zu leisten. Körperliche Arbeit erhielt einen neuen und positiven Stellenwert. So erklärte einer der Führer der späteren Arbeitspartei, David Hacohen: "Ich musste mit meinen Freunden viel über den jüdischen Sozialismus streiten; musste die Tatsache verteidigen, dass ich keine Araber in meiner Gewerkschaft akzeptierte; dass wir Hausfrauen predigten, nicht in arabischen Geschäften zu kaufen; dass wir an Obstplantagen Wache hielten, um arabische Arbeiter daran zu hindern, dort Arbeit zu finden ; dass wir Benzin auf arabischen Tomaten schütteten; dass wir jüdische Frauen attackierten und die arabischen Eier, die sie gekauft hatten, vernichteten; dass wir den Jüdischen Nationalfonds hochpriesen, der Hankin nach Beirut schickte, um Land von abwesenden Grundbesitzern zu kaufen und die arabischen Fellachen vertrieb, dass es erlaubt war, Tausende Dunams (arab. Flächenmaß) von Arabern zu kaufen, aber verboten ist, einen einzigen jüdischen Dunam an einen Araber zu verkaufen. ... All das zu erklären, war nicht leicht."

Die zionistische Bewegung veränderte sich aufgrund der wachsenden Einwanderung und angesichts der steigenden Konfrontation mit den Palästinensern. Eine entscheidende Rolle spielten hierbei der "Revisionist" Vladimir Jabotinsky und der Großrabbiner Abraham Isaac Kook. Jabotinsky, selbst kein religiöser Jude, erkannte allerdings in der Religion den Zement, der es dem Judentum ermöglicht hatte, als separate soziale Einheit zu überleben. So entwickelte er eine Mischung aus religiösem und nationalistischem Messianismus und fordert die Schaffung eines jüdischen Staates beiderseits des Jordan, der die arabischen Einwohner der Region brutal niederhalten sollte. Zu diesem Zweck gründete er die Jüdische Legion. Zeitgleich entstand die Haganah als jüdische Selbstverteidigungsorganisation, die wichtigste Keimzelle der späteren israelischen Armee. Kook konkretisierte die bis dahin rein spirituelle Idee der Rückkehr nach Zion. Er transformierte diese Idee zu einem politisch-territorialen Konzept, das die Rückkehr ins "Gelobte Land" zur Pflicht eines jeden Juden machte. Zunehmend wurde das zionistische Projekt auf diese Weise religiös unterlegt und die Frage der Territorialität mit den biblischen Verheißungen verknüpft.

Die ökonomische, soziale und politische Praxis der Einwanderer insbesondere gegenüber den Palästinensern und die tendenzielle Unterstützung der britischen Mandatsmacht für die zionistischen Einwanderung führte dann zu Streiks und Unruhen, insbesondere in den Jahren 1920/21 und 1936 - 1938. Folge war der Stopp der jüdischen Einwanderung durch die Mandatsmacht, verstärkt durch den Versuch, die Sympathie der Araber während des zweiten Weltkriegs zu gewinnen: Die Mandatsmacht blockierte die jüdische Einwanderung nach Palästina fast völlig in den Jahren 1937 - 1944. Im kollektiven Bewusstsein des Orients ist dies eine Parallele zur Politik Großbritanniens während es Ersten Weltkriegs, als 1917 dem haschemitischen Scherifen von Mekka ein unabhängiges und geeintes arabisches Königreich versprochen wurde für die Unterstützung im Krieg gegen das Osmanische Reich, als im gleich Jahr in der Erklärung des britischen Außenministers Balfour dem Jüdischen Weltkongress die "Errichtung einer nationalen jüdischen Heimstätte in Palästina" zugesagt wurde und zeitgleich im Sykes-Picot-Abkommen Großbritannien und Frankreich sich darauf verständigten, nach gewonnenem Krieg die Region in Kolonialgebiete aufzuteilen - was dann auch geschah.

Mit schweren terroristischen Anschlägen gegen die Mandatsmacht, wie beispielsweise der Sprengung des King David Hotels im Juli 1946 (rd. einhundert Tote), aber auch nach der Staatsgründung gegen die Repräsentanten der Vereinten Nationen erreichten die zionistischen bewaffneten Gruppen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, dass Großbritannien sein Mandat an die Vereinten Nationen - Rechtsnachfolgerin des Völkerbundes - zurückgab. Diese arbeiteten einen Teilungsplan aus, demzufolge der jüdische Staat 56,47% der Fläche Palästinas erhalten sollt, obwohl nur 5, 67% des Landes im Besitz jüdischer Siedler waren. Als daraufhin Israel seine Unabhängigkeit proklamierte, erklärten die benachbarten arabischen Staaten den Krieg und marschierten in die Gebiete ein, die im Teilungsplan als palästinensische ausgewiesen waren. Den zionistischen militärischen Organisationen wie Haganah, und Palmach - Kerne des späteren israelischen Armee - der Stern-Gang und Irgun Zvi Leumi gelang es, weitere Gebiete zu erobern. Vor allem wurden nach der israelischen Unabhängigkeitserklärung durch verschiedene Massaker, von denen das von Dir Yassin mit etwa 300 toten Zivilisten nur das bekannteste ist, große Teile der palästinensischen Bevölkerung vertrieben. Ziel dieser Aktionen der Jahre 1947 und vor allem nach der Staatsgründung 1948 war die planmäßige Inbesitznahme des von den fliehenden Palästinensern verlassenen Landes. Der Anteil der arabischen Bevölkerung auf dem Gebiet des neuen Staates Israel sank so von 70% im Jahre 1945 auf noch 11% im Jahre 1951. Das "verlassene" Land wurde beschlagnahmt und judaisiert: Ein Staatsgebiet entstand. Zwar wurde Israel mehrfach aufgefordert, in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht den Flüchtlingen die Rückkehr zu ermöglichen, und eine diesbezügliche Zusage war sogar Voraussetzung für die Aufnahme Israels in die Vereinten Nationen - verwirklicht wurde diese Forderung jedoch nie, hätte sie doch die Rückgabe von Land an die Rückkehrer zur Folge gehabt. Der Krieg von 1948 schuf so die doppelte Voraussetzung für die israelische Staatlichkeit: Die staatliche Anerkennung auf einem definierten und weitestgehend in jüdischem Besitz befindlichen Territorium

Quelle: Uni Kassel

Anfänge des Zionismus

Die Grundlage für die neuzeitliche jüdische Besiedlung Palästinas ist der Zionismus, ein Produkt des ausgehenden 19. Jahrhunderts, das im Zeichen von Nationalismus und Imperialismus stand. Ein säkular ausgerichteter Nationalismus war im Judentum bis zu diesem Zeitpunkt unbekannt, und der Zionismus als besondere jüdische Form des Nationalismus hat sich auch erst im Laufe des 20. Jahrhunderts bei weiten Teilen des Judentums durchgesetzt. Gleichwohl vollzog sich dieser Prozeß in schmerzhaften Etappen.

Im 18. Jahrhundert noch weitgehend rechtlos, wurde den Juden im Laufe des 19. Jahrhunderts in den meisten west- und mitteleuropäischen Staaten eine schrittweise, rechtliche Gleichberechtigung und Emanzipation gewährt. Der Großteil der westeuropäischen Juden ging dabei den Weg aus dem bedrängenden, isolierenden Ghetto hinaus in die Assimilation an die sie umgebende, christliche Kultur des jeweiligen Staates. Ein eigener jüdischer Nationalismus mit einer Bindung an Palästina verkörperte für diese Juden keine verlockende Alternative. Religion war nicht mehr ihr Hauptinhalt, denn sie sahen sich selber als Staatsbürger jüdischen Glaubens an.

Anders stellte sich jedoch die Situation in Osteuropa und speziell in Rußland dar, wo die Juden sich nur in einem festgelegten Siedlungsgebiet (Rayon) aufhalten durften und noch zahlreichen Beschränkungen unterlagen, fern der rechtlichen Gleichstellung in Westeuropa und den USA. Wie unsicher die Stellung der Juden war, zeigte 1881 das tödliche Attentat auf den Zaren: im ganzen Lande wurden Juden pogromartig verfolgt und getötet.

Dieser offene Antisemitismus in weiten Teilen der Landbevölkerung Rußlands und die sich ausbreitenden antisemitischen Organisationen in vielen Teilen Europas führten zu einem Umdenkprozeß einiger jüdischer Intellektueller aus demaufgeklärten Milieu Ost- und Mitteleuropas, die, desillusioniert über die jüdische Emanzipation und Assimilation, daraufhin die Idee des Zionismus entwickelten und propagierten. Der Zionismus sollte einen jüdischen Staat schaffen, durch den die unterdrückten Juden eine Heimstätte finden und zu einer Nation wie alle anderen werden, womit letztlich auch der Antisemitismus seine Basis verlieren sollte. Triebkraft des Zionismus war allerdings nicht die jüdische Religion, sondern in erster Linie der Antisemitismus.

Dieser säkulare Geist des Zionismus war europäisch-liberal geprägt und rebellierte zugleich gegen die traditionelle jüdisch-orthodoxe Schtetl-Welt Osteuropas. Anstelle der weitverbreiteten Passivität und Opferbereitschaft der Juden sollte das Bild vom selbstbewußten, aktiven und verteidigungsbereiten Juden gestellt werden. Ein Staat sollte aufgebaut werden, der als tolerantes Vorbild für die Weltgemeinschaft gelten sollte, auf Grundlage des jüdischen Humanismus. "Dabei wurde das religiös-messianische Konzept der Erlösung durch ein säkular-politisches Konzept ersetzt". Einen echten Aufschwung erhielt die Einwanderung nach Palästina jedoch erst durch Theodor Herzl, der seine zionistischen Gedanken 1896 in seinem Werk "Der Judenstaat" darlegte. Mit der Gründung des Zionistischen Kongresses (1897) und verschiedener Gesellschaften in Palästina wurde daraufhin in kurzer Zeit die organisatorische Grundlage für eine zionistische Einwanderung gelegt.

Etappen der Einwanderung

Die Vorgehensweise prägten in der ersten Phase die "Praktischen Zionisten". Im ersten Schritt errichteten sie Siedlungen, um die Praktikabilität des Projekts unter Beweis zu stellen. Erst im zweiten Schritt sollte dann die Legalisierung dieser Siedlungen erfolgen. Somit sollte in unauffälligen Etappen die Grundlage für einen zukünftigen Staat gelegt werden.

Die "Politischen Zionisten"(Revisionisten) unter Führung von Jabotinsky dagegen, in der Tradition von Herzl stehend, bemühten sich zunächst um legale und politische Garantien für den jüdischen Staat, als Voraussetzung für den folgenden praktischen Aufbau in vollem Umfange. Erste Erfolge erreichten sie 1917 mit der britischen Balfour-Deklaration, die den Juden eine Heimstätte in Palästina zusicherte und ihre Siedlungen in Palästina erstmals rechtlich absicherte.

Die "Religiösen Zionisten" akzeptierten zwar die politischen Ziele des säkularen Zionismus, sorgten sich sonst aber in erster Linie um den Aufbau eines eigenen separaten, religiösen Netzwerkes.

Diese drei zionistischen Grundströmungen sind bis heute in der israelischen Politik relevant. Aus dem "Politischen Zionismus" entwickelte sich der Revisionismus und später die Herut-Partei sowie der Likud-Block. Der "Praktische Zionismus" dominierte durch die Arbeiterparteien für eine lange Zeit das politische Geschehen in Palästina/Israel, während der "Religiöse Zionismus" später durch die Nationalreligiöse Partei vertreten wurde, die eng mit den Arbeiterparteien zusammenarbeitete

World Zionist Congress / Jewish Agency

ZIONISTISCHE WELTORGANISATION ( WORLD ZIONIST ORGANIZATION = WZO ) 1897 auf dem 1. zionistischen Kongreß in Basel gegr. ( als Zionist Org. ---ab 1960 WZO ) Die Zionistische Weltorganisation finanzierte und organisierte zu einem großen Teil das jüdische Siedlungswerk in Palästina. Der Vorstand war für die zionistische Außen- und Finanzpolitik zuständig - bis in die 30er Jahre dominierten die bürgerlichen Kräfte (Allgemeine Zionisten) der Lonodoner Exekutive der WZO (Chaim Weizmann). Als die WZO in der Krise von 1927- 29 eine liberalistische Politik durchsetzte (drastische Reduzierung der Finanzierung des Aufbaus in Israel), bewog dies die zionistischen Sozialisten, die in Palästina vorherrschend waren, durchaus unfreiwillig zur Mitarbeit in der Exekutive der WZO . 1933 historischer Wendepunkt MAPAI (Arbeiterbewegung) wurde die stärkste Fraktion und es fand eine allmähliche Gewichtsverlagerung von der Diaspora nach Palästina statt. Die parallele Entwicklung der Vorherrschaft der Arbeiterparteien in Palästina und in der ZWO erleichterte die Koordinierung der gesamtzionistischen Politik. Aber in der Diaspora schnitten die bürgerlichen Kräfte stets stärker ab, als in Palästina. 1920 wurde auf der London Zionist Conference die Besiedlung Israels in großem Stil beschlossen und dazu wurden weitere Organisationen gegründet.

Keren Ha Yesod ( Palestine Foundation Fund gegr. ) - zur Geldersammlung in der Diaspora Jewish Agency ( 1929 gegr. ) Nach der Staatsgründung sank die Bedeutung der WZO erheblich, da der Staat Israel die Außen- und Finanzpolitik selbst übernahm. Die WZO sammelt aber weiterhin Gelder in der Diaspora und fördert die Einwanderung.

JEWISH AGENCY (JA) - 1929 gegründete Verwaltungsorganisation in Palästina, um auch Nichtzionisten, die aber Freunde Israels waren, am jüdisch- staatlichen Aufbauwerk zu beteiligen. Die Agency setzte sich zu je 50 % aus Zionisten (verterteten durch die WZO) und Nichtzionisten zusammen. Präsident war der jeweilige Vorsitzende der WZO. Mit der Verfolgung der Juden in Europa wandelte sich die Jewish Agency jedoch faktisch zu einer zionistischen Organisation 1952 Abkommen über die Regelung der Aufgaben von ZWO / JA und dem Staat Israel - die WZO repräsentierte danach nicht mehr das jüdische Volk in der gesamten Welt (auf Druck des American Jewish Cttee. )

- WZO/JA ist für Einwanderungsfragen zuständig . 1968 entstanden Auseinandersetzungen, da der Staat ein Einwanderungsministerium errichtete.

- gemeinsame Entwicklung der Siedlungstätigkeit ( gemeinsamer, paritätisch besetztes Gremium ; aber das letzte Wort hat die Regierung, wie die Siedlungspolitik nach 1977 zeigte )

Die Überschneidung von WZO und JA im Bereich der Siedlugnspolitik ist durch die Verfassung der Jewish Agency determiniert, denn die JA darf keine Investitionen jenseits der grünen Grenze tätigen. Deshalb agiert die JA-Siedlungsabteilung in der Westbank im Gewande der WZO-Siedlungsabteilung. Hinzu kommen noch Probleme mit der Steuerbefreiung der US-Spendengelder, die durch die JA-Spendenorganisation United Jewish Appeal eingesammelt werden. Wenn die Jewish Agency in die direkte Planung in der Westbank involviert wäre, würde sie in den USA die Gemeinnützigkeit verlieren, da sie gegen die offizielle US-Politik verstoßen würde. So hat man sich zu einer organisatorischen Unterstellung der JA-Siedlungsabteilung in die WZO entschlossen.

Finanzierung über eigene Fonds * Keren Hajessod (in den USA seit 1966 united Israel Appeal ) Spendengelder aus der Diaspora: 1955 48 Mio $ 1972 /73 233 Mio 1973/1974 617 Mio $ 1974/ 75 366 Mio $ 1975 /76 266 Mio $ 1978 /79 256 Mio $

Die Jewish Agency kontrollierte auch Teile der Wirtschaft (1988) ca. 500 Mio $ Vermögenswerte , aber auch ca. 450 Mio $ Schulden

Bank Leumi (größte Bank) 15 % ( Stimmrechte ) El AL 28 % Israel Museum 33 % Mekorot ( Wasserversorg. ) 50 % Yakhin Hakel ( Zitrusprod., Säfte, Limonaden, = 100 Mio $ Ums. ; 1927 gegr. ) 10 % Palestine Post ( ----Jerusalem Post ) 50,5 % ( Stimmrechte ) Israel Land developement Diur La `oleh - Baugesellschaft AMIGUR ( 30 000 Wohnungen,----------vornehmlich an Immigranten vermietet) Computer - Gesellschaft Binyanei Ha`Ooma ( national convention Center / Jerusalem )

Ende der 80er Jahre wurde beschlossen, daß die Jewish Agency Teile verkauft, die nichts mit dem Anliegen der Agency zu tun haben

Bilanz .)1948- 94 Betreuung von 2,4 Mio Einwanderern ( seit 1989 > 500000 russiche Juden ) .)in 60 Jahren der Jugend- aliya wurden 400000 ausgebildet .)seit 1948 600 neue Siedlungen gegründet

Quelle: Bornpower

Erklärung von Rabbi Weissfish

Warum orthodoxe Juden den Zionismus und den zionistischen Staat bekämpfen und was unser Standpunkt zur zionistischen Unterdrückung der Palästinenser ist

1.) Der Begriff Juden und Judaismus bezieht sich auf eine religiöse Gemeinschaft, nicht auf eine rassische Gruppierung. Die Ideologie, bekannt als Zionismus besteht aus: einem Versuch, die religiöse Gemeinschaft, bekannt als die Juden, in eine Rassen-Gemeinschaft zu verwandeln. Diese Rassengemeinschaft soll durch gemeinsame Charakteristiken wie Sprache und Geschichte zusammen gehalten werden, ungeachtet des Glaubens an den Schöpfer und seine Gebote. Der Judaismus unterscheidet sich für alle gläubigen Juden durch das Glaubenssystem, seiner Gesetze und Lehren, empfangen vom Schöpfer (sein Name sei gesegnet) durch Moses unseren Lehrer und andere Propheten, weitergegeben an unsere Vorfahren. Diese Bedeutung des Wortes, eine göttliche Offenbarung, wird von den Zionisten auf nichts anderes, als ein paar gemeinsame Traditionen für eine spezielle ethnische Gruppe reduziert. All das ist gemäss Tora* falsch, da laut Tora der Wert eines Menschen nicht von seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse abhängt, sondern von seinen Taten. Jeder Jude, der beispielsweise dem Glauben an den einen Gott entsagt bzw. den Glauben in die göttliche Offenbarung, überbracht durch die Propheten oder andere fundamentalen Persönlichkeiten des Judentums, kann nicht mehr als Teil des jüdischen Volkes anerkannt werden und verliert seine Berechtigung auf ein Leben nach dem Tode. Auf der anderen Seite wird ein Nichtjude, wenn er an den Schöpfer und seine Propheten glaubt sowie die grundsätzlichen Gesetze befolgt, die für jeden Mensch Gültigkeit haben, wie keine Götzenverehrung, nicht stehlen und nicht morden usw., als rechtschaffener Mensch der Welt angesehen. Wenn ein gläubiger Jude treu zu dem Land steht, in dem er lebt, seien es die USA, der Iran oder irgendein anderes Land, so steht dies nicht im Widerspruch zu seinem Glauben.

2.) Betrachten wir die oben genannten Fakten und die Tatsache, dass die Gründer der zionistischen Ideologie ihrem Selbstverständnis nach Atheisten sind, so muss daraus gefolgert werden, dass die zionistische Ideologie die jüdischen Hoffnungen nach rassischen Bedingungen bedient. Dazu gehört eine Armee und ein Staat. Orthodoxe Juden hingegen glauben nicht, daß wir vor etwa 2000 Jahren ins Exil gehen mussten, weil wir eine schwache Armee hatten. Vielmehr sind wir vom Schöpfer durch das Wort seiner Propheten gehalten, keinen Versuch zu unternehmen, die Lösung des Exils im Rahmen menschlicher Möglichkeiten herbeizuführen (s. Talmud Traktat Kesubos 111a). Im Gegenteil, wir müssen loyale Bürger jener Nationen sein, unter denen wir leben. Die Hoffnung der orthodoxen Juden entspringt deshalb nicht diesen von Menschen geschaffenen Erlösungen in Form eines Staates oder einer Armee. Unsere Hoffnungen gründen sich auf die geistige Erlösung, die uns vom Schöpfer durch seine Propheten und Weisen versprochen wurde. Dies wird zu einer Zeit des Friedens sein, wenn alle Menschen mit einem Herzen zusammenkommen und dem einen Schöpfer in seinem heiligen Land dienen. (Obwohl immer schon Juden, auch während der Zeit des Exils, im Heiligen Land lebten, ist dies kein Widerspruch zu dem vorher Gesagten, da sie immer als friedliche und loyale Bürger der jeweiligen Nation dienten. Nie machten sie den Versuch, einen Staat oder Armee, wie es die Zionisten taten, zu schaffen. Selbst heute leben viele tausend Juden im Heiligen Land, die den zionistischen Staat bekämpfen und sich sogar weigern, von diesem Staat finanzielle Hilfe anzunehmen bzw. sich an den Wahlen zu beteiligen. Rabbi Moshe Hirsch von Jerusalem trifft sich regelmäßig mit PLO-Führern, um zu demonstrieren, dass es der Wille der orthodoxen Juden im Heiligen Land ist, unter palästinensischer Staatsführung zu leben und nicht unter zionistischer.)

3.) Leider, des Geldes wegen, befindet sich die Propaganda, also die Medien, unter der Kontrolle der Zionisten (siehe US-Medien). Damit zeichnen sie für die Welt ein Bild, als würden sie alle Juden vertreten. Ihre Propaganda benutzt die verschiedenen Gruppen von sogenannten «religiösen» Zionisten, womit sie die Welt zum Narren halten und alle glauben machen, die zionistische Besetzung des Heiligen Landes und die von ihnen begangenen Ungerechtigkeiten gegenüber den Palästinensern seien Teil jüdischer Bestimmung. Die Morde und Ungerechtigkeiten, die sie gegenüber den Palästinensern begehen und begangen haben, schmerzen uns deshalb so sehr, da sie diese Taten im Namen des jüdischen Volkes vollbringen. Sie missbrauchen das Judentum, lästern den Namen des Schöpfers und beschmutzen unseren Glauben.

Aus diesen Gründen betrachten wir es als unsere Pflicht, der Welt zu bekunden, dass die wahren Juden (z.B. jene, die überall in der Welt treu zum Schöpfer und seiner Tora stehen) die Zionisten und die Ungerechtigkeiten, die sie unter falschen Vorwänden im Namen des Judentums begehen, bekämpfen.

Ganz im Gegenteil, wir bekämpfen die Zionisten und ihren «Staat» mit allem Einsatz und sind durch diese Ungerechtigkeiten äusserst beunruhigt. Wir teilen den Schmerz der leidgeprüften Menschen und beten für die Demontage des zionistischen «Staates» und für den Frieden in der Welt.

N.S. Es sei noch erwähnt, daß die oben genannten Punkte in der Vergangenheit von uns zu vielen Anlässen dargelegt wurden. Oftmals zusammen mit Palästinensern und als Inserate in wichtigen Zeitungen geschaltet. Wir bitten jedermann, der dazu in der Lage ist, diese Botschaft zu verteilen, damit die falsche Vorstellung, das Judentum und der Zionismus seien verwandt, nicht weiter verbreitet wird.

Rabbi E Weissfish NETUREI KARTA, Repräsentanten des Orthodoxen Judentums, USA, London, Palästina und weltweit

* Das Wort Tora bezieht sich im Hebräischen auf die Gesetze und die Lehren, die das Judentum vom Schöpfer durch Moses unseren Lehrer auf dem Berg Sinai erhielt.

Neturai Karta

Die Schtetl Osteuropas = Lebenswelt der jüdischen Kleinstadt in Osteuropa

In Abgrenzung zu den Juden aus dem Mittelmeerraum und aus dem Nahen Osten, entwickelte sich in Osteuropa ein spezielles jüdisches Milieu, mit eigener Sprache ("Jiddisch") und Lebensform. Teils durch eigene Wahl und teils durch staatlichen Zwang (1796 beschränkte Katharina die Große den Lebensraum der Juden auf ein 400 000 qkm großes Gebiet in Weißrußland, das die Juden nur mit besonderer Genehmigung verlassen durften) erhielt sich im Schtetl der Talmudismus in der reinen Form und vermischte sich nicht mit äußeren Einflüssen, wie bei den Sepharden (orientalische Juden) aus dem Mittelmeerraum. Das ganze Schtetl-Leben war rigoros auf die Erfüllung der Gebote abgestellt.

THORA

Die Thora ist nach rabbinischer Tradition der Schöpfungsplan Gottes, der göttlichen Ursprungs ist und vor aller Schöpfung erschaffen wurde. Diese Schöpfungs- und Weltordnung garantiert den Bestand der Welt. (keine Trennung zwischen einem säkularen und einem religiösen Bereich)

Die Thora wird als ein Kodex betrachtet, der absolut bindend ist, jedoch zur gleichen Zeit der Interpretation und Anpassung unterliegt; selbst bei drohender Todesfolge sind Konversion, Blutvergießen und Unsittlichkeit verboten. Im Laufe der Geschichte mußte das Gesetz den sozialen, geographischen und wirtschaftlichen Bedingungen angepaßt werden, unter Erhaltung des Geist des Gesetzes. Jeder männliche Jude bildete sich eine eigene Meinung über diverse Fragen, der gelehrte Mann (Rabbi) war dabei der Schiedsrichter. Prägend ist für den Schtetl-Bewohner daher eine analytische Denkweise.

Die gelehrte Tradition dient nicht nur der Vermittlung von Kultur, sondern ist auch eine bindende Kraft, die Einheit und Kontinuität in Zeit und Raum bewahrt.

Der Thoragehorsam ist eine zentrale Kategorie, denn das Volk Israel ist durch die Offenbarung der Thora durch Moses das auserwählte Volk geworden. Seine Besonderheit und Auszeichnung besteht in seiner Bereitschaft, den Gotteswillen gehorsam zu erfüllen. Der weltgeschichtliche Prozeß, der auf die endzeitliche Gottesherrschaft hinstrebt, wird beschleunigt oder verzögert durch den Gehorsam oder Ungehorsam (von den Orthodoxen werden die Verfolgungen ihres Volkes als Strafe für Verletzungen der Thoragebote angesehen)

GEBOTE (Mizwes)

Es bestehen im Judentum 613 in der Thora festgeschriebene mizwes, deren Studium die Pflicht eines gläubigen Juden sind. Einschränkend muß jedoch bemerkt werden, daß selbst von den frommsten Juden nicht alle Gebote eingehalten werden können, aber es gibt mizwes, die die Basis jüdischen Verhaltens ausmachen: - ethische Regeln - soziale Pflichten - religiöser Glaube - Speisegesetze

Der Vertrag mit Gott (symbolisiert durch die Beschneidung) ist durchdrungen von der Idee der Belohnung und Bestrafung.

GELEHRSAMKEIT

- Die Gelehrsamkeit gab Prestige, Respekt, Autorität und Status, und deshalb taten die jüdischen Familien alles mögliche, daß die Kinder eine Schule besuchen konnten und um sie anzuspornen, Gelehrte zu werden, die das höchste Prestige innerhalb der jüdischen Gemeinschaft genossen. rebbe ("mein Lehrer") = allgemeine Anrede für die Männer im schtetl - Freude am Studieren, denn das Studium bot einen Fluchtweg aus der dunklen Realität zu einer freudigen Identifikation mit der Vergangenheit und dem Volk - Jene, die das Gesetz kennen, waren verpflichtet, es den anderen zu erklären. So war unter den Juden ein gänzlicher Analphabetismus fast unbekannt, denn zumindest die Gesetze konnte fast jeder Jude lesen

UNTERRICHT

Der formale Unterricht begann zwischen 3 und 5 Jahren im dardeki chejder (=Kleinkindergarten). Mit 5 bis 6 Jahren begannen die Kinder die Thora zu studieren und mit 10 oder 11 Jahren den Talmud. Zum Teil mußten die Schüler an 5 Tagen wöchentlich bis zu 10 Stunden lernen. Die höchste Stufe ist die Yeschiwa, die Rabbinerakademie, die finanziell von der Gemeinde getragen wird. Der Lehrer war in der Volksmeinung kein Gelehrter, sondern jemand der überall versagt hat und und eine unwürdige Stellung innehat, weil er den kärglichen Bestand seines Wissens auch noch, zudem für einen kümmerlichen Lohn, verkaufen muß. Der Status des Lehrers stieg jedoch mit dem Niveau der Schule und dem Alter der Kinder.

ORGANISATION DER SCHTETL-Welt

- Die Schtetl-Welt bildete eine Inselkultur inmitten der Mehrheitsbevölkerung und ihr wurde in der Regel hohes Ausmaß an Autonomie gewährt, zumindest im unmittelbaren Tagesgeschehen und in religiösen Fragen. Zentrum des Geschehens war dabei die Synagoge als Versammlungshaus.

- ein Merkmal der zivilrechtlichen Maschinerie war das Fehlen jeglicher Macht zur Durchsetzung der Funktionen, die an den Schtetl delegiert waren. Allein die kombinierte Autorität von Rabbi und Gott konnte für die Durchsetzung sorgen, allerdings ohne absolute Autorität (andere Rabbis konnten eine andere Entscheidung treffen)

- Die Standpunkte der politischen Führer/Rabbis und ihre Anweisungen wurden von den Gläubigen nicht blindlings befolgt und geteilt, sondern sie wurden von jedem Einzelnen genauestens analysiert, diskutiert und interpretiert, denn er wollte die Gründe für eine Haltung einschätzen können.

- Es gab sprichwörtlich keine Geheimnisse im Schtetl (verschlossene Türen, Isolation, Vermeidung von Kontrollen durch die Gemeinschaft erwecken Argwohn) und es wurde als normal, natürlich und richtig angesehen, sich um jedermanns Angelegenheiten zu kümmern, verbunden mit dem starken Gefühl, daß einzelne füreinander verantwortlich sind. Diese kollektive Verantwortung war geprägt von dem Gefühl, wenn ein Jude schwer sündigt, kann Gott die ganze Gemeinschaft kollektiv bestrafen. (indirekt durch ungünstige Regierungserlasse, Epidemien oder Pogrome)

GELD

- Die Juden wurden immer zu Beschäftigungen gezwungen, die mit direktem Geldverkehr zu tun hatten. Bargeld galt bei den Juden als beste Form des Reichtums, da es bei einer etwaigen Flucht leicht mitgenommen werden konnte. Außerdem konnte es zur Bestechung benutzt werden, um sich Freiheiten zu erkaufen. = Geld ist gut, als Mittel zu einem bestimmten Zweck (nicht als Selbstzweck). In dieser Funktion kommt das Geld in der Bewertung gleich nach der Gelehrsamkeit.

SCHTADLEN

= Vermittler auf hoher Ebene zu offiziellen Regierungsstellen. Sie waren meistens reiche Juden, die deren Sprache und Vorlieben kannten und mit Geldern ungünstige Maßnahmen gegen die Juden manchmal verhindern konnten.

- zielgerichtetes Sparen, um es dann auszugeben/investieren (als Mitgift, für Wohltaten, Erziehung u.a.) - ein Geizhals wird als unjüdisch angesehen

- hohe steuerliche Belastungen durch die diversen Regierungen

STATUS

Im Schtetl bestanden große Differenzen zwischen und innerhalb den sozialen Gruppen:

scheijne (schöne = gute) Leute - Rabbiner, Gelehrte, "Sabbat-Leute"

proste Leute - Leute der Woche (unzählige Abstufungen im Prestige und der Frömmigkeit)

bababatische Männer - sie waren eigentlich proste Leute, zählten aber auch zu den schejinen Leuten, wegen ihres großen Reichtums und den damit verbundenen Spenden an die Gemeinschaft - sie widmeten sich meist den Geschäften, waren nicht so traditionell und ließen mehr Freiraum in der Kindererziehung, so daß gerade aus diesen Familien viele Rechtsanwälte und Ärzte hervorgingen.

BERUFE

" Arbeite und Gott wird dir helfen " Müßiggang galt im Schtetl als Sünde, denn nur vor dem Hintergrund ständiger Mühen ließ sich die Sabbatruhe voll genießen. Alle Möglichkeiten wurden genutzt, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können (innerhalb der äußeren Beschränkungen)

Hauptzweige :

Kauf und Verkauf Verarbeitung von Rohstoffen zu Fertigartikeln Der Großteil der Schtetl-Bewohner verkaufte nur in ganz kleinem Rahmen, war als Handwerker (Schumacher, Schneider, Schmiede) beschäftigt oder als Ungelernte in anstrengender Tätigkeit.

Rangordnung der Berufe: - sie war bis ins kleinste festgelegt - es war besser für sich selbst zu arbeiten, als für jemanden anderen (Jeder versuchte unabhängig zu sein, auch wenn er einen kleineren Gewinn und eine geringere Sicherheit in Kauf nehmen mußte) - es war besser mit dem Kopf als mit den Händen zu arbeiten, d.h der Kopf war das Grundkapital eines jeden Unternehmens. jiddischer Kop(f) = wird gleichgesetzt mit schneller Auffassungsgabe, intuitiver Wahrnehmung und flinker Umsetzung von Gelegenheiten.

Der Schtetl bot nichtgenügend Auskommen für alle Bewohner, deshalb gingen viele in der Woche auf Reisen (Schneider, Schuster , Hausierer). Aufgrund der Überfüllung und der großen Konkurrenz untereinander hatten die meisten Bewohner mehrere Tätigkeiten, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen. Dabei konnten nur die wenigsten eine wirtschaftliche Stabilität erreichen.

So war die Auswanderung ein Ventil für die große Konkurrenz. Die Hauptmotive waren wirtschaftlicher Natur und auch die Flüchtlinge nach den Pogromen gingen in erster Linie, weil ihre Läden geplündert und die Quelle ihres Lebensunterhaltes vernichtet worden war. Zuerst gingen die unteren Schichten und die jungen Juden nach Übersee, bis sie ihre Familien nachholten. In den 1930er Jahren hätte die Schtetl-Welt in der Depression ohne jüdische Hilfe von US-Verwandten nicht überlebt.

GEBOT des GEBENS/WOHLTÄTIGKEIT

- an der Bereitschaft gute Werke zu tun, kann man einen "wirklichen" Juden erkennen (Mitleid als typisch jüdischer Wesenszug). Mit großen Wohltaten kann Prestige erworben werden und das Leben nach dem Tode hängt am meisten von der Anzahl und der Qualität seiner guten Werke ab. Prinzip der sozialen Gerechtigkeit : - jedes Mitglied der Gemeinschaft muß versorgt werden (oft auf institutioneller Ebene) und Wohltätigkeit wird als soziale Gerechtigkeit und als Pflicht angesehen.

SCHNORRER (=professionelle Bettler) - er hat nur eine geringe Achtung im Volk, weil er öffentlich um Gaben bittet; aber einem Bettler Gaben zu geben ist eine gute Tat, die wichtig für das Leben nach dem Tode ist. - die Schnorrer hatten ihre regulären Runden und wegen der Verpflichtung zu geben, konnte er sich sicher sein, daß er etwas bekommt und verhielt sich zum Teil sehr arrogant und fordernd

FRAUEN

- Frauen galten als minderwertiger als der Mann, denn von ihnen würde die Gefahr ausgehen, die Männer vom Studium abzulenken. Daher sollten sich die Geschlechter im Schtetl möglichst meiden (u.a. Teilung der Geschlechter bei öffentlichen Anlässen) und es wurden zahlreiche Vorsichtsmaßnahmen getroffen, daß die Frauen nicht begehrlich erschienen (z.B. trugen die Frauen lebenslang Perücken) Außerdem war ihnen das Studium der göttlichen Gesetze verwehrt.