Es liegen immer noch Welten zwischen der israelischen Gesellschaft und der palästinenschen in den besetzten Gebieten. Was in "den Gebieten" abläuft, wissen nicht viele in Israel. Beispielhaft für eine westliche Gesellschaft, die die Probleme der Welt, auch wenn sie vor der Haustüre liegen nicht interessiert. Aber immer mehr Israelis öffnen ihre Augen vor der Besatzung, und erblicken die Ungerechtigkeit und die Rückwirkung auf Israel. Man hinterfragt die offizielle Popaganda der israel. Regierung.

Besonders häufig hört man in letzter Zeit von Kriegdienstverweigerer, meistens Reservisten, die schon den Alltag in den besetzten Gebieten kennen. Für Aufregung sorgte auch die Kritik vier ehemaliger Shin-Bet (israel. Inlandsgeheimdienst) Chefs an der Besatzung und Militärpolitik des Staates. Ehemalige hohe Militärs sehen die Sinnlosigkeit der BEsatzung, und treten für einen souveränen Staat Palästina ein. Ein großer Teil der israel. Gesellschaft sieht nun ein, dass nur ein stabiler paläst. Staat den Staat Israel SIcherheit bringen kann. Doch bei der Diskussion um die Form dieses Staatsgebildes scheiden sich die Geister. Sharon erkennt das demographische Problem (jüdische Bevölkerungsmehrheit gerät in Gefahr) und redet von paläst. Selbstverwaltung. Sharon's Ziel Diese Worte von einem der größten Kritiker von Oslo machen misstrauisch. Diejenigen Palästinenser, die in Oslo die große Friedenschance sahen,haben gemerkt: Oslo war nur Spiel auf Zeit. Das Maximum war eine zerstückelte Autonomie, ohne eigene Grenzen. Die bekannten Homelands.

“Ich gebe Ihnen meinen Rang zurück” - Brief an den israelischen Armeestabschef von Eitan Ronel Ha’aretz / ZNet 09.01.2004

An den Stabschef, Generalleutnant Moshe Ya’alon:

Am 51. Tag der Unabhängigkeit Israels hatten Sie mich auf ‘Ammunition Hill’ zum Oberstleutnant ernannt. Ich war aktiver Reservist und wurde in den Ruhestand versetzt - nach 31 Jahren Dienst in der IDF (Israelische Armee). Ich hatte als Artillerist am Jom-Kippur- und am Libanonkrieg teilgenommen und gegen die Erste Intifada gekämpft. Hiermit gebe ich Ihnen meinen Rang zurück. Ein Staat, dessen Armee zivile Demonstrationen mit scharfen Schüssen auflöst, ist kein demokratischer Staat. Eine Armee, die ihre Soldaten lehrt, Verbrechen dieser Art in Erwägung zu ziehen, hat ihre Grenzen (aus den Augen) verloren. Ich war Zeuge des Verfalls - Stufe um Stufe: wegsehen - gegen die Armeeregeln - wenn Gefangene misshandelt werden. Wegsehen, wenn Soldaten auf unbewaffnete palästinensische Zivilisten schießen. Wegsehen, wenn (jüdische) Siedler die Gesetze brechen, einschließlich bewaffneter Überfälle auf palästinensische Dörfer. Eine zivile Population wird unterdrückt - mittels Checkpoints, Blockaden, Abriegelungen und Ausgangssperre - auf Befehl. Das Militär ignoriert, wenn Palästinenser an Checkpoints, bei Durchsuchungen und in Gewahrsam degradiert, misshandelt und malträtiert werden. Man eröffnet das Feuer auf steinewerfende Kinder, auf Arbeiter und unbewaffnete Leute, augenscheinlich auf Befehl. Man führt Militäroperationen durch, inklusive präventiver Liquidierungen, wobei man im Voraus weiß, dass auch Unschuldige zu Schaden kommen werden. In Israel schießt die Polizei auf israelische Bürger, um Demonstrationen aufzulösen - angeblich in lebensbedrohlicher (Situation).

Der Wert des Lebens - er verfällt graduell. Stufe um Stufe werden Soldaten, Kommandeure, die ganze Nation, korrumpiert. Die Werte, mit denen wir einst großgeworden sind - ‘Reinheit der Waffen’, Wert des Lebens, Respekt vor dem Menschen als Abbild Gottes - sie sind zum lächerlichen Witz verkommen. Inzwischen haben wir schon die nächste Stufe erreicht: Soldaten schießen bei einer Demonstration auf israelische Bürger - und das gemäß (etablierter) Schießbefehlsrichtlinien. Wer ordnete dies an? Wer gab die offensichtlich illegalen Befehle? Was wird als Nächstes kommen? Wird man auf dem Rabin-Platz Demonstrationen mit dem Maschinengewehr auflösen? Auf Demonstranten zu schießen ist eine Fehlleistung - moralisch wie ausbildungstechnisch. Es zeigt, man hat die Fähigkeit verloren, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden - zwischen Verteidigung und Mord. Die Armeeführung hat versagt - der Kompanieführer, der Truppenkommandeur, der Brigadekommandeur, der General. In erster Linie jedoch sind Sie es, der versagt hat. Würde ich Ihnen trauen, ich hätte gesagt: “Misten Sie den Stall aus oder übernehmen Sie die Verantwortung und treten Sie zurück.” Aber Sie haben mein Vertrauen verspielt. Sie haben versagt. Ihre Vorgänger und Sie haben das Militär korrumpiert. Ich will nicht mehr Teil dieser Armee sein. Sie haben mir meinen Rang verliehen. An Sie gebe ich ihn zurück. Eitan Ronel (Ex-Oberstleutnant)

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