CARE-Studie: Erschreckende Unterernährung und Blutarmut im Westjordanland und Gazastreifen

Am 5. August 2002 veröffentlichte CARE die vorläufigen Resultate zweier Studien zum Gesundheits- und Ernährungszustand der palästinensischen Bevölkerung im Westjordanland und im Gazastreifen. Die Ergebnisse alarmierten die Weltöffentlichkeit: 22,5 % der unter fünfjährigen Kinder leiden an akuter oder chronischer Unterernährung, Tendenz steigend. Vor allem im Gazastreifen, wo jedes siebte Kind an akuter Mangelernährung leidet, gleicht die Lage der Palästinenser bereits der Situation in Entwicklungsländern wie Bangladesch, Somalia, Nigeria oder Tschad. Nach ersten Befunden steigt auch die Rate der Blutarmut unter Kindern bis fünf Jahren: Sie liegt derzeit bei 20,9 % im Westjordanland und 18,9 % im Gazastreifen. Der Anteil von Anämie bei nicht schwangeren Frauen im gebärfähigen Alter beträgt 9,5 % in der West Bank und 12 % im Gazastreifen.

Erste Untersuchung ihrer Art

Auftraggeber der ersten Untersuchung ihrer Art sind CARE und die amerikanische Agentur für internationale Entwicklung (USAID). Die Al-Kuds-Universität in Ost-Jerusalem und die Global Management Consulting Group führten beide Studien durch, unterstützt von der Johns Hopkins Universität und der American Near East Refugee Aid (ANERA). Ein ausführlicher Bericht wird im September vorliegen.

Leere Regale nach anhaltenden Blockaden

Umfragen bei Groß- und Einzelhändlern belegen den Mangel an proteinreichen Nahrungsmitteln wie Fisch, Geflügel und Milchprodukten. Die Kaufleute geben an, dass der Fehlbedarf in Gaza vor allem durch Grenzabsperrungen bedingt ist, die den schmalen Landstreifen von Ägypten, Israel und dem Westjordanland abschneiden. In der West Bank sei die Nahrungsknappheit auf eine Kombination von Blockaden, Checkpoints, Ausgangssperren und militärischen Auseinandersetzungen zurückzuführen.

Isoliert, ohne Geld und Arbeit – Grundnahrungsmittel werden unbezahlbar Selbst wo Lebensmittel vorhanden sind, verlieren Familien zunehmend ihre Kaufkraft. Ein Drittel aller befragten Haushalte gibt an, weniger Brot, Kartoffeln und Reis zu kaufen, Produkte also, die zur Grundnahrung der Palästinenser gehören. Hauptursachen seien Geldmangel, bedingt durch vernichtete oder unerreichbare Arbeitsplätze (65%), und die Ausgangssperren (33%). 53 % der Haushalte – vor allem in Bethlehem, Nordgaza, Jericho und Gaza Stadt – müssten sich Geld leihen, um Nahrung zu kaufen. 17 % der Haushalte versetzten Vermögensgegenstände, um Lebensmittel bezahlen zu können. Berichten der Weltbank zufolge ist die Armutsrate von 42% im vergangenen Jahr auf inzwischen knapp 60 % gestiegen, was bedeutet, dass mehr als die Hälfte der palästinensischen Bevölkerung weniger als zwei Euro pro Tag zur Verfügung hat.